Vor fünfzehn Jahren kam mir die Idee zu diesem Projekt. Ich machte damals einige Bilder. Das Leben nahm seinen Verlauf, während andere Themen in den Vordergrund traten. Doch in den vergangenen Monaten hatte ich einige interessante Gespräche, in denen auch dieses Thema wieder auftauchte. Und so fasste ich den Entschluss, mich wieder dem Projekt zu widmen und die Website zu reaktivieren.
Die gesellschaftlich idealisierte Mutterfigur steht im Gegensatz zu dem oft tabuisierten sexuellen Begehren derselben Frau. Welche Auswirkungen das auf das Wohlbefinden und auch die Gesundheit einer Frau haben können, erkannte ich damals. Zu dieser Zeit las ich auch »Der Lilith-Komplex« (2005) von Hans-Joachim Maaz. Viele Frauen fühlen sich in ihrer Mutterrolle um wesentliche Aspekte ihrer Weiblichkeit betrogen. Maaz bezeichnet dieses in unserer Kultur tief verankerte Tabu als »Lilith-Komplex«. Und dieses Tabu erzeugt Schuldgefühle und Konflikte, da Frauen ihre »Schattenseite« nicht ausleben dürfen.
Ziel meines Lilith-Projekts ist es, dieses Spannungsfeld sichtbar zu machen und zur Enttabuisierung beizutragen. Die Fotografien sollen verdeutlichen, dass Mütter auch sinnliche Wesen sind und sexuelle Selbstbestimmung mit Mutterschaft koexistieren kann, ohne die eine oder die andere Seite zu negieren. Indem die Teilnehmerinnen sich gleichzeitig als fürsorgliche Mutter und als sexuell selbstbestimmte Frau zeigen, wird das Projekt zum aktiven Statement für weibliche Selbstbestimmung. Es regt zum Dialog über überholte Rollenerwartungen an und möchte Frauen dazu ermutigen, alle Facetten ihrer Identität anzunehmen. Schließlich, so betont bereits Julia Onken in ihrer Besprechung von Maaz Buch, dürfen Mütter Menschen sein, »die sich zu ihrer Schattenseite bekennen dürfen«. Das Lilith-Projekt greift diese Erkenntnis auf und übersetzt sie in eine visuelle Form, um sowohl bei Betrachtern als auch Beteiligten Reflexion auszulösen. Nicht zuletzt ist das Thema auch für die Gesellschaft relevant, da ein offenerer Umgang mit der weiblichen Sexualität in der Mutterschaft langfristig zu mehr Verständnis, weniger Heuchelei und damit zu gesünderen familiären und partnerschaftlichen Beziehungen führen kann.
Dieses Projekt lebt vom Dialog – und von Frauen, die sich darin wiederfinden.
Teile Deine Gedanken gern in den Kommentaren, per E-Mail oder privat auf Instagram. Wenn Du selbst Teil des Projekts sein möchtest: Ich freue mich auf Deine Nachricht.
