Männer und der Lilith-Komplex

Bei einem Gespräch mit einer Frau, die sich für das Projekt interessierte, wurde mir eine spannende Frage gestellt:
„Und möchtest Du auch mit Männern arbeiten, die unter dem Lilith-Komplex leiden?“

Bis dahin hatte ich diesen Gedanken gar nicht in Betracht gezogen. Mein Fokus lag bislang stark auf dem Ursprung des Projekts – auf der unterdrückten weiblichen Sexualität in der Mutterrolle und den Verletzungen, die daraus entstehen können. Doch diese einfache Frage hat etwas in mir bewegt.

Ich spürte: Es ist wichtig, auch die männliche Seite zu beleuchten – im wahrsten Sinne des Wortes ins Licht zu setzen. Also habe ich erneut zu Hans-Joachim Maaz’ Buch Der Lilith-Komplex gegriffen. Darin beschreibt er, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer unter den Folgen dieses Komplexes leiden. Denn die Verleugnung von Liliths Eigenschaften – Gleichwertigkeit, sexuelle Eigenständigkeit und die Ablehnung einer rein mütterlichen Rolle – wirkt auf beide Geschlechter.

Das Ergebnis ist eine Rollenverteilung, die Frauen unbewusst in die Position der unterwürfigen, passiven Eva drängt, während Männer in die Rolle des scheinbar starken, dominanten Adam gezwungen werden, um ihre Unsicherheit zu verbergen.

Drei Hauptformen des Lilith-Komplexes bei Männern

Maaz beschreibt drei zentrale Erscheinungsformen, wie Männer unter diesem Muster leiden können:

1. Vaterflucht (Flucht vor Beziehung und Nähe):
Männer mit Mutterdefiziten vermeiden emotionale Nähe und suchen Ersatz in Arbeit, Hobbys, Konsum oder digitalen Welten.

2. Vaterterror (Macho-Verhalten):
Der „Macho“ fürchtet weibliche Gleichwertigkeit und Selbstbewusstsein. Er kompensiert seine Unsicherheit durch Härte, Dominanz, Abwertung und mangelnde Empathie.

3. Mutter-Männer und Mutter-Väter:
Um eigene Defizite aus der Kindheit auszugleichen, übernehmen diese Männer übermäßig fürsorgliche, dienende Rollen. Doch diese Überanpassung führt nicht selten zu Erschöpfung, Depressionen oder Sucht.

Mein fotografischer Ansatz

Meine Aufnahmen sollen nicht inszeniert wirken, sondern Deine eigenen Erfahrungen widerspiegeln – als Mann, als Vater, als Mensch. Deshalb möchte ich die Bildideen gemeinsam mit Dir entwickeln.

Wenn Du Dich in einer dieser Formen wiedererkennst, lade ich Dich ein, mit mir zusammen einen Weg zu finden, dies in Bildern sichtbar zu machen. Vielleicht hast Du aber auch bereits einen Weg gefunden, Lilith in Dir zu integrieren – zu einer befreiten, ganzheitlichen Männlichkeit. Auch diesen Weg möchte ich fotografisch festhalten.

Und vielleicht entstehen daraus Bilder, die nicht nur Deine Geschichte erzählen, sondern auch andere inspirieren.

Wenn Du bereit bist, Dich vor der Kamera zu öffnen, Deine Stärken und Schwächen zu zeigen, freue ich mich auf Deine Nachricht – gerne über das Kontaktformular.

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